Die nachfolgende Analyse stellt die Positionen der Parteien entlang einer einheitlichen Systematik dar. Bewertet werden jeweils die programmatischen Leitlinien, konkrete Maßnahmenankündigungen sowie relevante Leerstellen im Vergleich der Programme. Die Struktur gliedert sich in vier Themenfelder:
(Arbeitsmarkt, Arbeitszeit, Tarifbindung, Mindestlohn, Bürokratieabbau, Wirtschaftsförderung, Investitionen, Industriepolitik)
Die CDU stellt Wettbewerbsfähigkeit, Mittelstand und Entlastung in den Mittelpunkt ihrer Standortpolitik. Regulierung soll zurückgeführt, Verfahren beschleunigt und Investitionshemmnisse abgebaut werden.
Konkret kündigt sie Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungen sowie die Digitalisierung von Verfahren an. Mit der Einführung von mindestens zehn Reallaboren sollen landesrechtliche Beschränkungen weitgehend ausgesetzt werden, um Innovation und Investitionen zu erleichtern.
Im Bereich Arbeitsmarkt, Tarifbindung und Mindestlohn enthält das Programm keine landesspezifischen Verschärfungen oder zusätzlichen Regulierungen. Eine Ausweitung von Tariftreuevorgaben oder eine Mindestlohninitiative auf Landesebene ist nicht vorgesehen.
Bewertung: Die CDU ist sehr konkret bei Entlastungs- und Beschleunigungsinstrumenten. Im Unterschied zu SPD, Grünen und Linken verzichtet sie bewusst auf zusätzliche arbeitsmarktpolitische Regulierung.
Die SPD verbindet die Sicherung des Industriestandorts mit einer sozial flankierten Transformation. Die öffentliche Hand wird als aktiver Impulsgeber verstanden.
Vorgesehen ist ein öffentliches Investitionsprogramm zur Stärkung von Infrastruktur, Innovation und Beschäftigung. Das Landestariftreue- und Mindestlohngesetz soll überarbeitet werden. Öffentliche Aufträge sollen an tarifgebundene Unternehmen vergeben werden; zudem ist ein vergabespezifischer Mindestlohn vorgesehen.
Arbeitszeitregelungen werden nicht konkret reformiert. Bürokratieabbau wird vor allem im Sinne von Verwaltungsmodernisierung und Digitalisierung verstanden.
Bewertung: Die SPD verfolgt eine aktive Industriepolitik, koppelt wirtschaftliche Tätigkeit jedoch klar an tarif- und vergaberechtliche Vorgaben.
Die Grünen ordnen die Wirtschaftspolitik deutlich der ökologischen Transformation unter. Nachhaltigkeit und soziale Standards sind zentrale Steuerungsinstrumente.
Das Landestariftreue- und Mindestlohngesetz soll weiterentwickelt werden; regionale Tarifverträge sollen einbezogen und Schwellenwerte abgesenkt werden. Öffentliche Aufträge werden ausdrücklich an soziale und ökologische Standards geknüpft.
Eine klassische Deregulierungs- oder Entlastungsagenda steht nicht im Vordergrund.
Bewertung: Standortpolitik wird stark über Klima- und Sozialkriterien gesteuert. Im Vergleich zu CDU und FDP weniger entlastungsorientiert.
Die Linke verfolgt eine stark staatlich geprägte Wirtschaftspolitik.
Kernmaßnahmen sind ein landesspezifischer Mindestlohn von rund 17 Euro sowie ein flächendeckendes Landestariftreuegesetz. Öffentliche Vergabe wird als sozialpolitisches Steuerungsinstrument eingesetzt. Eine wettbewerbs- oder entlastungsorientierte Agenda ist nicht erkennbar.
Bewertung: Die Linke vertritt die stärkste Regulierung im Arbeitsmarktbereich.
Die FDP setzt auf marktwirtschaftliche Prinzipien, Deregulierung und Flexibilisierung.
Das Landestariftreue- und Mindestlohngesetz soll abgeschafft werden. Arbeitszeiten sollen flexibilisiert werden. Das Vergaberecht soll vereinfacht werden.
Bewertung: Die FDP stellt den deutlichsten Gegenentwurf zu SPD, Grünen und Linken dar.
Die AfD argumentiert marktwirtschaftlich und lehnt staatliche Lenkung weitgehend ab.
Konkrete Maßnahmen sind der flächendeckende Ausbau der Gigabit-Infrastruktur sowie eine Entbürokratisierungsagenda. Arbeitsmarktpolitische Instrumente wie Tariftreue oder Mindestlohn werden im Programm nicht konkret ausgearbeitet.
Bewertung: Standortpolitische Argumentation vorhanden, arbeitsmarktpolitisch wenig konkret.
(Klimaneutralität, Klimaziele, Klimaschutzgesetz, CO₂, erneuerbare Energien, Biomasse, Zertifizierung)
Die CDU verbindet Klimaschutz ausdrücklich mit wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Klimapolitik wird nicht als eigenständiges Leitprojekt verstanden, sondern als integraler Bestandteil einer wettbewerbsfähigen Industriepolitik. Ziel ist es, Klimaschutzmaßnahmen so auszugestalten, dass sie Innovationskraft und industrielle Wertschöpfung nicht beeinträchtigen.
Konkret setzt die CDU auf eine Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien, insbesondere durch schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Gleichzeitig wird die Wasserstoffstrategie des Landes als industriepolitisches Instrument fortgeführt. Der Fokus liegt dabei auf technologischer Offenheit und industrieller Umsetzbarkeit.
Eine Verschärfung des Klimaschutzgesetzes oder zusätzliche landesspezifische Klimaziele stehen nicht im Mittelpunkt des Programms. Ebenso werden keine neuen CO₂-basierten Steuerungsinstrumente angekündigt.
Bewertung: Die CDU verfolgt einen moderaten Transformationsansatz. Klimapolitik wird mit Industriepolitik verzahnt, ohne zusätzliche regulatorische Verschärfungen vorzunehmen.
Die SPD versteht Baden-Württemberg als zukünftiges klimaneutrales Industrieland. Klimapolitik wird als Modernisierungsprojekt und als Voraussetzung langfristiger Wettbewerbsfähigkeit betrachtet.
Im Zentrum stehen der beschleunigte Ausbau von Windkraft und Photovoltaik sowie die Unterstützung von Unternehmen bei der Umstellung auf klimaneutrale Produktionsprozesse. Die Transformation der Industrie soll aktiv durch staatliche Förderinstrumente begleitet werden.
Im Unterschied zu den Grünen steht weniger die Verschärfung gesetzlicher Vorgaben im Vordergrund, sondern die Kombination aus Ausbau erneuerbarer Energien und industriepolitischer Unterstützung. Eine detaillierte Neufassung des Klimaschutzgesetzes oder eine explizite landesspezifische CO₂-Steueragenda wird nicht formuliert.
Biomasse und Zertifizierungsinstrumente werden nicht als eigenständige strategische Schwerpunkte hervorgehoben.
Bewertung: Die SPD verfolgt eine klar transformatorische Energie- und Klimapolitik, ohne jedoch besonders weitreichende neue Verpflichtungen oder restriktive Instrumente anzukündigen.
Die Grünen verfolgen die ambitionierteste Klimapolitik im Parteienvergleich. Klimaneutralität wird als verbindliches politisches Ziel definiert und soll durch eine Weiterentwicklung beziehungsweise Verschärfung bestehender gesetzlicher Grundlagen abgesichert werden.
Der Ausbau erneuerbarer Energien wird deutlich intensiviert. Klimaschutz wird nicht allein als Ausbauprojekt verstanden, sondern auch als Regulierungsprojekt. Insbesondere im Gebäudesektor sollen CO₂-Bilanzen verbindlich berücksichtigt werden. Damit wird eine strukturelle CO₂-Orientierung im Bauwesen eingeführt.
Darüber hinaus wird der Staatswald stärker unter ökologische Schutzkriterien gestellt. Zehn Prozent der Fläche sollen als Prozessschutz ohne menschlichen Einfluss ausgewiesen werden. Die FSC-Zertifizierung des Staatswaldes wird ausdrücklich beibehalten.
Biomasse wird nicht als primärer energiepolitischer Schwerpunkt hervorgehoben; der Fokus liegt klar auf Wind- und Solarenergie.
Bewertung: Die Grünen setzen am stärksten auf verbindliche Standards und gesetzliche Verschärfungen. Die Energie- und Klimapolitik ist konsequent CO₂-orientiert und greift direkt in Flächennutzung und Rohstoffverfügbarkeit ein.
Die Linke fordert eine besonders ambitionierte Klimapolitik mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2035. Klimaschutz wird als staatlich gesteuertes Projekt verstanden.
Die Energiewende soll konsequent vorangetrieben und stärker öffentlich organisiert werden. Der Fokus liegt auf einem umfassenden Ausbau erneuerbarer Energien und einer klaren Abkehr von fossilen Energieträgern.
Die industriepolitische Ausbalancierung tritt dabei hinter das Ziel schneller Emissionsreduktion zurück. Konkrete Instrumente zur Förderung einzelner Technologien werden weniger detailliert ausgearbeitet als das grundsätzliche Ziel der schnellen Dekarbonisierung.
Bewertung: Sehr ambitionierte Zielsetzung mit stark regulativem Charakter. Wirtschaftliche Wettbewerbsaspekte stehen nicht im Vordergrund.
Die FDP betont Technologieoffenheit und Versorgungssicherheit als Leitprinzipien der Energiepolitik. Sie steht landesspezifischen Klimaneutralitätszielen skeptisch gegenüber, wenn diese nicht durch entsprechende Kompetenzen oder wirtschaftliche Machbarkeit unterlegt sind.
Biogas und Biomasse werden als flexible und systemstabilisierende Energieoptionen ausdrücklich unterstützt. Der Ausbau erneuerbarer Energien soll pragmatisch erfolgen, ohne zusätzliche regulatorische Verschärfungen.
Im Vergleich zu Grünen und Linken wird keine Verschärfung des Klimaschutzgesetzes angestrebt. Gleichzeitig wird die Klimapolitik nicht grundsätzlich in Frage gestellt, sondern stärker mit wirtschaftlicher Machbarkeit verknüpft.
Bewertung: Die FDP verfolgt einen technologieoffenen, versorgungssicherheitsorientierten Ansatz mit weniger regulatorischer Verdichtung.
Die AfD stellt die wissenschaftliche Grundlage einer CO₂-basierten Klimapolitik grundsätzlich in Frage. Entsprechend lehnt sie klimapolitische Steuerungsinstrumente wie CO₂-Steuern oder verbindliche Emissionsziele ab.
Konkrete Maßnahmen betreffen die Abschaffung der CO₂-Steuer, die Senkung energierechtlicher Belastungen, den Erhalt beziehungsweise Neubau von Kohlekraftwerken sowie einen Wiedereinstieg in die Kernenergie. Der Rückbau bestehender Kernkraftwerke soll gestoppt werden.
Windkraftstandorte in Wäldern und Landschaftsschutzgebieten werden abgelehnt. Zudem soll das Gebäudeenergiegesetz vollständig abgeschafft werden.
Biomasse wird nicht als strategischer Schwerpunkt formuliert. Zertifizierungs- oder Nachhaltigkeitsinstrumente spielen keine zentrale Rolle.
Bewertung: Die AfD vertritt den deutlichsten Gegenentwurf zur bestehenden Klima- und Energiepolitik. Statt Emissionsreduktion steht die Sicherung konventioneller Energieerzeugung im Mittelpunkt.
(Nachhaltige Baustoffe, Holzbau, CO₂-Bilanz, Vergabe, serielles Bauen)
Die CDU positioniert nachhaltiges Bauen als wichtigen Bestandteil der Baupolitik, ohne dabei auf starre Verpflichtungen zu setzen. Die bestehende Holzbauoffensive soll fortgeführt werden. Holz- und Hybridbau werden ausdrücklich gefördert.
Im Bereich der öffentlichen Vergabe werden keine zusätzlichen sozialen oder ökologischen Konditionierungen angekündigt. Die CDU setzt vielmehr auf Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung sowie wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen.
Eine verpflichtende CO₂-Bilanzierung oder Ökobilanz wird nicht als eigenständiges Instrument hervorgehoben.
Bewertung: Klare Unterstützung des Holzbaus bei gleichzeitig begrenzter regulatorischer Verdichtung.
Die SPD versteht nachhaltiges Bauen als Standard für öffentliche Bauvorhaben. Holz- und Hybridbauweisen sollen im öffentlichen Bau verstärkt berücksichtigt werden.
Vergabe wird als politisches Steuerungsinstrument genutzt. Soziale und ökologische Kriterien sollen verbindlich verankert werden. Tariftreue und vergabespezifischer Mindestlohn wirken direkt in Bauaufträge hinein.
Eine explizite Holzbauoffensive wird nicht fortgeschrieben, jedoch ist die grundsätzliche Offenheit für Holzbau deutlich erkennbar.
Bewertung: Holzbau grundsätzlich anschlussfähig, jedoch stärker regulativ eingebettet als bei CDU oder FDP.
Die Grünen verfolgen die konsequenteste Strategie im Bereich nachhaltiges Bauen. Die bestehende Holzbaustrategie beziehungsweise Holzbauoffensive soll fortgeführt werden.
Die CO₂-Bilanz von Gebäuden soll verpflichtend berücksichtigt werden. Öffentliche Beschaffung wird konsequent an Nachhaltigkeitskriterien ausgerichtet.
Holz wird als klimafreundlicher Baustoff explizit hervorgehoben. Gleichzeitig sind die regulatorischen Anforderungen im Bauwesen höher als bei den übrigen Parteien.
Bewertung: Strategisch stärkste Unterstützung des Holzbaus, jedoch eingebettet in umfassende Nachhaltigkeits- und CO₂-Vorgaben.
Die Baupolitik der Linken konzentriert sich auf sozialen Wohnungsbau und eine stärkere Rolle der öffentlichen Hand.
Eine eigenständige Holzbaustrategie wird nicht formuliert. Nachhaltigkeit wird zwar grundsätzlich betont, steht jedoch nicht im Kontext einer spezifischen Baustoffstrategie.
Vergabe wird vor allem sozialpolitisch interpretiert.
Bewertung: Holzbau ist kein strategischer Schwerpunkt.
Die FDP legt den Schwerpunkt auf die Vereinfachung des Vergaberechts und die Reduzierung baurechtlicher Vorgaben.
Eine explizite Holzbauoffensive oder eine verpflichtende CO₂-Bilanzierung ist nicht vorgesehen. Nachhaltiges Bauen wird technologieoffen betrachtet.
Bewertung: Starke Entlastungsorientierung, jedoch keine strategische Holzbauposition.
Die AfD plant Änderungen der Landesbauordnung, um schneller und kostengünstiger zu bauen.
Ziel ist unter anderem der Bau von 100.000 neuen Sozialwohnungen. Eine Holzbaustrategie oder ökobilanzbasierte Baupolitik wird nicht formuliert.
Vergaberechtliche Nachhaltigkeits- oder Sozialkriterien spielen keine zentrale Rolle.
Bewertung: Fokus auf Bauvolumen und Kostenreduktion, nicht auf Baustoff- oder Nachhaltigkeitsstrategie.
(Waldnutzung, Biodiversität, Holznutzung, Stilllegungen/Prozessschutz, Nationalpark, Rohstoffsicherungsstrategie)
Die forst- und waldpolitischen Positionen der Parteien unterscheiden sich deutlich in der Gewichtung von Nutzung, Biodiversität und Flächenschutz. Während einige Parteien die aktive Bewirtschaftung als integralen Bestandteil von Klimaschutz und Wertschöpfung definieren, stellen andere den Schutz- und Prozessgedanken in den Vordergrund. Für die Holzindustrie ist insbesondere relevant, ob konkrete Stilllegungsquoten, Prozessschutzflächen oder Zertifizierungsauflagen vorgesehen sind und ob eine explizite Rohstoffsicherungsstrategie formuliert wird.
Die CDU formuliert ihr Leitbild mit „Schützen durch Nützen“. Aktive Waldbewirtschaftung wird als Voraussetzung für Klimaschutz, Stabilisierung der Wälder und Sicherung der regionalen Wertschöpfung verstanden. Nutzung und Schutz werden nicht als Gegensätze, sondern als miteinander verbundene Ziele definiert. Konkret kündigt die CDU an, keine weiteren Prozessschutzflächen auszuweisen. Damit positioniert sie sich ausdrücklich gegen zusätzliche Stilllegungen über bestehende Zielsetzungen hinaus. Ebenso sollen Doppelzertifizierungen bei ForstBW vermieden werden, was auf eine Entlastung des landeseigenen Forstbetriebs zielt. Eine eigenständige Rohstoffsicherungsstrategie wird nicht als separater Programmpunkt benannt, ergibt sich jedoch implizit aus der klaren Priorisierung aktiver Nutzung.
Bewertung: Die CDU vertritt die deutlichste nutzungsorientierte Position. Sie grenzt sich explizit von weiteren Flächenstilllegungen ab und stärkt damit indirekt die Rohstoffbasis.
Die SPD betont die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder sowie deren Bedeutung für Klimaschutz und Biodiversität. Der Wald wird als multifunktionaler Raum verstanden, in dem ökologische und ökonomische Interessen in Einklang gebracht werden sollen.
Im Unterschied zu den Grünen oder der Linken formuliert die SPD jedoch keine konkret bezifferten Stilllegungs- oder Prozessschutzquoten. Auch eine ausdrückliche Ausweitung von Nationalpark- oder Naturwaldflächen wird nicht als eigenständiges Vorhaben hervorgehoben.
Eine explizite Rohstoffsicherungsstrategie zugunsten der Holzindustrie wird nicht formuliert. Ebenso wenig werden konkrete Zertifizierungsinitiativen oder Änderungen bestehender Zertifizierungsstandards angekündigt.
Bewertung: Die SPD positioniert sich moderat zwischen Nutzung und Schutz, bleibt jedoch programmatisch weniger konkret als CDU oder Grüne. Für die Holzindustrie ergibt sich keine klar priorisierte Rohstoffsicherungsagenda.
Die Grünen stellen Biodiversität, Prozessschutz und natürliche Waldentwicklung in den Vordergrund. Der Staatswald soll zu zehn Prozent als Prozessschutzfläche ohne menschlichen Einfluss ausgewiesen werden. Diese Zielgröße bedeutet faktisch eine zusätzliche Flächenstilllegung im Staatswald. Darüber hinaus wird die FSC-Zertifizierung des Staatswaldes ausdrücklich beibehalten. Zertifizierung wird nicht nur als Qualitätsmerkmal, sondern als politisches Instrument zur Sicherung ökologischer Standards verstanden. Die Ausweitung von Naturwald- und Schutzflächen wird als Beitrag zur Biodiversitätsstrategie eingeordnet. Die Holznutzung wird nicht grundsätzlich in Frage gestellt, steht jedoch hinter Schutz- und Biodiversitätszielen zurück. Eine industriepolitisch definierte Rohstoffsicherungsstrategie findet sich nicht.
Bewertung: Die Grünen verfolgen eine klar schutzorientierte Waldpolitik mit konkreten Flächenzielen. Für die Holzindustrie ergeben sich potenzielle Zielkonflikte hinsichtlich Rohstoffverfügbarkeit.
Die Linke formuliert ebenfalls weitreichende Schutz- und Umbaumaßnahmen im Wald. Vorgesehen ist ein hoher Anteil von Dauerwald sowohl im Staatswald als auch im Privatwald. Zudem sollen Naturschutzgebiete, Au- und Bannwälder ausgeweitet werden.
Die Waldpolitik ist stark biodiversitäts- und klimapolitisch motiviert. Nutzung wird nicht als zentrales politisches Ziel hervorgehoben, sondern eher als untergeordnet gegenüber ökologischen Funktionen.
Eine eigenständige Rohstoffsicherungsstrategie oder industriepolitische Perspektive auf den Wald ist nicht erkennbar.
Bewertung: Die Linke gehört zu den am stärksten schutzorientierten Programmen. Im Vergleich zur CDU oder FDP ist die Position deutlich restriktiver gegenüber intensiver Nutzung.
Die FDP betont die aktive Forstwirtschaft und lehnt eine weitere Stilllegungspolitik ausdrücklich ab. Der Wald wird als Wirtschafts- und Rohstoffraum verstanden, der nachhaltig genutzt werden soll.
Konkrete neue Schutzflächen oder Prozessschutzquoten werden nicht angekündigt. Ebenso wenig wird eine zusätzliche Zertifizierungspolitik formuliert.
Die Position der FDP ähnelt in der Grundrichtung der CDU, ist jedoch weniger symbolisch zugespitzt. Eine eigenständige Rohstoffsicherungsstrategie wird nicht gesondert ausgearbeitet, ergibt sich jedoch implizit aus der klaren Ablehnung weiterer Stilllegungen.
Bewertung: Deutlich nutzungsorientiert, gegenläufig zu Grünen und Linken.
Die AfD formuliert keine eigenständige, detaillierte Rohstoff- oder Forststrategie. Waldpolitische Aussagen erfolgen vor allem im Zusammenhang mit Energiepolitik. So lehnt die Partei Windkraftstandorte im Wald ab.
Konkrete Stilllegungsquoten, Prozessschutzflächen oder Zertifizierungsinstrumente werden nicht ausgearbeitet. Auch eine explizite Rohstoffsicherungsstrategie für die Holzindustrie ist nicht erkennbar.
Bewertung: Waldpolitik wird eher indirekt behandelt und nicht als eigenständiger industriepolitischer Handlungsbereich verstanden.
Aus Sicht der Holzindustrie unterscheiden sich die Wahlprogramme vor allem entlang der Frage, ob Wettbewerbsfähigkeit und Rohstoffnutzung oder Schutz- und Regulierungsziele im Vordergrund stehen. CDU und FDP setzen klar auf Entlastung, Bürokratieabbau, aktive Waldbewirtschaftung und lehnen zusätzliche Stilllegungen ab; die CDU unterstützt zudem ausdrücklich die Fortführung der Holzbauoffensive. Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke verfolgen dagegen ambitionierte Klima- und Schutzziele, einschließlich zusätzlicher Prozessschutzflächen bzw. Dauerwaldanteile, und koppeln Wirtschaft und Vergabe stärker an ökologische und soziale Kriterien. Die SPD nimmt eine Mittelposition ein: Sie unterstützt nachhaltigen Holzbau und industrielle Transformation, verbindet dies jedoch mit Tariftreue- und Vergabevorgaben, ohne eine explizite Rohstoffsicherungsstrategie zu formulieren. Die AfD lehnt klimapolitische Steuerung grundsätzlich ab, setzt energiepolitisch auf konventionelle Optionen, entwickelt jedoch keine eigenständige Holz- oder Rohstoffstrategie.